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DOK Leipzig 2017 – Die 60. Festivalausgabe

Deutschlands ältestes und größtes Festival für Dokumentar- und Animationsfilm wird 60. Vom 30. Oktober bis 5. November 2017 wird bei DOK Leipzig nicht nur gefeiert: es stehen 166 Filme und interaktive Arbeiten aus 53 Ländern auf dem Programm.

Eröffnungsfilm ist Betrug von David Spaeth. Ein dokumentarischer Krimi über einen arbeitslosen Einzelhandelskaufmann aus Halle, der nach München zog, um einen Kindergartenplatz für seinen behinderten Sohn zu ergattern und dann anfing, sich zum Herrn über die Finanzen des selbstverwalteten Kindergartens aufzuschwingen. Eine Hochstaplergeschichte, erzählt von geprellten Eltern auf Sofas in Schwabing (unter ihnen auch der Filmemacher selbst mit seiner Lebensgefährtin).

[Filmstill aus: Betrug. Auf dem Sofa links: Regisseur David Spaeth – © DOK Leipzig 2017 | David Spaeth]

 

David Spaeths Film läuft im Rahmen des Deutschen Wettbewerbs langer Dokumentar- und Animationsfilm. Hier treten insgesamt neun Dokumentarfilme an, darunter auch Talking Money von Sebastian Winkels, Eingeimpft von David Sieveking (der 2012 mit Vergiss mein nicht dabei war) und Kolyma – Straße der Knochen von Stanislav Mucha (schon 2001 mit Absolut Warhola in Leipzig vertreten). Auch ein berühmter „Neuling“ findet sich im Deutschen Wettbewerb: Der Schauspieler Charlie Hübner hat zusammen mit Co-Regisseur Sebastian Schultz seinen ersten Dokumentarfilm gemacht: Wildes Herz, ein Portrait der Punkband Feine Sahne Fischfilet.

>> Alle Dokumentarfilme des Deutschen Wettbewerbs in der Übersicht

Im Internationalen Wettbewerb sind 13 Dokumentarfilme am Start. Dabei renommierte Filmemacherinnen und Filmemacher wie Shelly Silver mit A Strange New Beauty oder Kamal Swaroop mit Pushkar Myths. Auch der schweizer Theaterregisseur Milo Rau ist vertreten mit The Congo Tribunal. Zusammen mit seinem International Institute for Political Murder hat Rau 2015 in Bukavu im Ostkongo und in Berlin jeweils auf der Bühne Tribunale abgehalten, bei denen sich Opfer und Täter, Beobachter und Experten gegenüberstanden wie vor einem realen Gerichtshof. Sein Film dokumentiert diese Verhandlungen und durchleuchtet auf internationaler Ebene die politischen Zusammenhänge und wirtschaftlichen Verwicklungen, die das Gebiet bis heute nicht zur Ruhe kommen lassen.

>> Alle Dokumentarfilme des Internationalen Wettbewerbs in der Übersicht

Das diesjährige Festivalmotto lautet: Nach der Angst

„In Zeiten, in denen viele politische Fundamente ins Wanken geraten, wollen wir fragen: Was kommt nach der Angst? Welche Zukunftsvisionen können entwickelt werden, wenn Angst viele Menschen in autoritäre Machtverhältnisse treibt? Wie geht man in Kunst und Gesellschaft etwa mit den Erschütterungen der Demokratie um, mit den Entwicklungen in den USA und der unklaren Zukunft Europas? Wir wollen gemeinsam aus der Geschichte lernen, den Finger in Wunden legen und gleichzeitig Utopien wagen“

[Festivaldirektorin Leena Pasanen]

Neben den Wettbewerbsreihen für Langfilm, Kurzfilm und Animadok, neben den Internationalen Programmen für Lang- und Kurzfilm, neben dem Next Masters Wettbewerb bietet DOK Leipzig noch weitere Reihen, die das vielfältige Programm komplementieren und durch die sich das Festival-Motto zieht:

Vom Sonderprogramm Animationsfilm, in dessen Werken das Thema Angst nicht nur erste Gesichter hat, über die Retrospektive, die unter dem Titel Kommandanten – Vorsitzende – Generalsekretäre. Kommunistische Herrschaft in den Bildsprachen des Films 100 Jahre nach der Oktoberrevolution Filme aus verschiedensten Ländern und Zeiten präsentiert. Darunter Werke von Agnès Varda und auch von Milo Rau.

Die Hommage ist in diesem Jahr dem US-amerikanischen Filmemacher Jay Rosenblatt gewidmet. Ein Teil seiner Werke ist Bestandteil der ständigen Sammlung des MoMA in New York. In Leipzig werden seine wohl bekanntesten Filme wie Human Remains oder The Smell of Burning Ants zu sehen sein wie auch aktuelle Arbeiten, darunter The Kodachrome Elegies. In seinem Beitrag  zum Omnibusfilm Filmmakers Unite, den Jay Rosenblatt außerdem noch präsentiert, stellt sich der studierte Psychololge seinen Ängsten seit der Wahl von Donald Trump.

Jay Rosenblatt ist auch Juror der Next Masters Reihe. In der Internationalen Jury sitzt Filmemacherin Heddy Honigmann, zusammen mit dem Produzenten Luciano Rigolini und Anne Clark. Genau diese Anne Clark: die New-Wave-Ikone. Sie wird auch auf der Leinwand zu sehen sein: Der Film Anne Clark – I’ll Walk Out Into Tomorrow von Regisseur Claus Withopf feiert bei DOK Leipzig Weltpremiere.

Dazu bietet das diesjährige Festival u.a. noch eine Meisterklasse mit Sergei Loznitsa, einen Länderfokus Georgien, eine DEFA-Matinee, Diskussionspanels, die interaktive Ausstellung DOK Neuland, Kinovorführungen im Gefängnis mit DOK im Knast

Die 60. Festivalausgabe verspricht jetzt schon wieder eine aufregende und erhellende Woche zu werden.

 

Für mich ist das 60. Festivaljubiläum übrigens eine persönliche „20 Jahre seit ich das erste Mal dabei war“–Feier. 1997 war das Jahr meines ersten Festivalbesuchs, auf studentischer Exkursion während des Studiums der Filmmontage an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf, die vor der Jahrtausendwende noch keine Filmuniversität war. Seit 2010 bin ich Festival-„Stammgast“. Ob als Filmschaffende, Jury-Mitglied oder Presse-Berichterstattende, ich habe keine Festivalausgabe mehr ausgelassen. Doch halt: das 58. DOK Leipzig habe ich leider verpassen müssen – ausgerechnet die Festivalausgabe, in welcher der großartige John Smith mit einer Werkschau zu Gast war…

Einige dieser Festival-Besuche finden sich auch hier im Blog wieder:

> DOK Leipzig 2012 – Kleine Nachlese

> DOK Leipzig 2014

> DOK Leipzig 2014 – Ein ausführlicher Festivalrückblick

> DOK Leipzig 2016 – Ein Festivalrückblick

Und zum 60. DOK Leipzig noch ein kleiner Lektüre-Tipp: Andreas Kötzings Essay zur Festivalgeschichte > Leipzig im Herbst

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