Close

LEB WOHL, MEINE KÖNIGIN!

Historiendrama mit Handkamera: Die Revolution huscht durch die Gänge von Versailles

LEB WOHL, MEINE KÖNIGIN | Regie: Benoît Jacquot | Frankreich, Spanien 2012

14. Juli 1789. Die Revolution steht vor der Tür. Besser gesagt: sie findet vor den Toren statt. Während das Volk die Bastille stürmt, geht das Leben am Hofe von Versailles noch seinen gewohnten Gang. Das ist wörtlich zu verstehen, denn Benoît Jacquots Historiendrama spielt sich in den Gängen von Versailles ab: die Dienerschaft wuselt durch enge Flure der Wirtschaftsgebäude, der Hofadel schreitet durch endlose Saalfluchten. Der ganze Hofstaat ist in Bewegung und die Kamera mit ihm. Gleich zu Beginn folgt sie Sidonie (Léa Seydoux), die zu Königin Marie-Antoinette (Diane Kruger) eilt, um ihre Pflicht als Vorleserin zu erfüllen. In ihrem Gefolge treibt die Kamera den Zuschauer mit hinein in ein komplexes Gefüge von Herrschaft und Dienerschaft, bestimmt von starren Hierarchien und ritualisierten Verhaltensregeln.

Im Mittelpunkt des Films steht Sidonies Beziehung zu Marie-Antoinette: Die Vorleserin bringt ihrer Königin bewundernde Hingabe entgegen. Für diese ist sie aber nur ein kleiner Spielball ihrer Launen. Sidonie wird in ihrer stolzen Naivität erst spät begreifen, was wirklich auf dem Spiel steht. Die Königin ist ihrerseits der Herzogin Gabrielle de Polignac (Virginie Ledoyen) verfallen, sich aber deren wahrer Zuneigung nicht sicher. Während also die durch die Revolutions-Gerüchte aufgeschreckte Dienerschaft die entrückt-nervöse Königin in ihren Gemächern umschwärmt, schmiedet diese für ihre Favoritin Fluchtpläne, in denen auch Sidonie eine Rolle spielen wird.

Die Kostüme dieses ungewöhlichen Historienfilms sind oskarverdächtig, Diane Kruger als Marie-Antoinette ist perfekt besetzt, Léa Seydoux Ausstrahlung könnte den Film allein tragen, doch Leb wohl, meine Königin! verliert sich in den endlosen Gängen des Hofes in einem Übermaß an serviler Hektik und breiter Orchesteruntermalung.

> meine ausführliche Filmkritik bei kino-zeit.de >

Filmdaten:

Titel: Leb wohl, meine Königin!
Originaltitel: Les adieux à la reine
Produktionsland: Frankreich, Spanien
Produktionsjahr: 2012
Länge: 100 Min.
Verleih: Capelight Pictures
Kinostart: 31.05.2012
Regie: Benoît Jacquot
Drehbuch: Gilles Taurand, Benoît Jacquot, Chantal Thomas
Kamera: Romain Winding
MOntage: Luc Barnier
Hauptdarsteller: Diane Kruger, Noémie Lvovsky, Virginie Ledoyen, Julie-Marie Parmentier, Xavier Beauvois, Léa Seydoux

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

© 2020 | gegenschnitt | | WordPress Theme: Annina Free by CrestaProject.