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RENN, WENN DU KANNST

Der zweite Streich der Geschwister Brüggemannn

Dietrich Brüggemann | RENN, WENN DU KANNST | Deutschland 2009

Die Geschwister Brüggemann sind ein eingespieltes Team: gemeinsam schreiben Dietrich und Anna das Drehbuch, dann spielt Anna die Hauptrolle und Dietrich führt Regie. Das haben sie schon bei Dietrichs Diplomfilm Neun Szenen so gemacht und damit 2006 u.a. den Publikumspreis beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen gewonnen. Bei Renn, wenn du kannst sind sie wieder  genauso verfahren und 2010 u.a. auch wieder in Ludwigshafen mit dem Publikumspreis belohnt worden.

Renn, wenn Du kannst mag zunächst sarkastisch klingen als Titel eines Films, in dem einer der Protagonisten im Rollstuhl sitzt. Ben (Robert Gwisdek) ist querschnittsgelähmt, vergrault mit seinem Zynismus einen Zivi nach dem anderen und beobachtet die Welt von oben herab aus seiner Hochhaus-Wohnung. Schon länger hat er das Mädchen mit dem Cello im Visier, beobachtet, wie diese mit Christian (Jacob Matschenz) zusammenstößt , welcher sich als sein neuer Zivi entpuppt. In der Folge bringt Christian nicht nur eine einnehmende und respektlose Unbekümmertheit mit in Bens Leben, sondern auch die Musikstudentin Annika (Anna Brüggemann). Während eine echte Freundschaft zwischen den dreien entsteht, verlieben sich beide Jungs in Annika und es wird immer deutlicher, dass Bens wunder Punkt gar nicht seine Behinderung ist, sondern wie es dazu kam…

Tiefgang und Leichtigkeit vertragen sich erstaunlich gut in dieser tragikomischen Dreiecksgeschichte, in Szene gesetzt mit Energie und Charme. Wenn Jules und Jim (1962) heutzutage auf ihre Catherine träfen, dann könnte das genau so aussehen. Drehbuch und Regie der jungen Filmemacher  nehmen alle drei Protagonisten gleichmaßen ernst und behandeln dabei das Thema Behinderung authentisch, klischeefrei und ohne falsche Scham. Die Brüggemanns wissen, wovon sie erzählen, denn ihre jüngste Schwester sitzt auch im Rollstuhl.

Renn, wenn Du kannst funktioniert in seiner mutigen Mischung tatsächlich gleichermaßen als Komödie und Drama, teilweise poetisch in den Bildern, immer intelligent und pointiert in den Dialogen. Robert Gwisdek, Sohn von Corinna Harfouch und Michael Gwisdek, verleiht Ben durch sein Spiel eine schillernde Vielschichtigkeit über den Abgründen dieses Charakters, wofür er auch schon mit dem Filmkunstpreis als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde.

© Kirsten Kieninger –  zuerst erschienen in der RNZ vom 29.07.2010

Filmdaten:

Titel: Renn, wenn Du kannst
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2009
Länge: 112 min.
Verleih: Zorro Filmverleih
Kinostart: 29.07.2010
Regie: Dietrich Brüggemann
Drehbuch: Anna Brüggemann, Dietrich Brüggemann
Kamera: Alexander Sass
Montage: Vincent Assmann
Hauptdarsteller: Anna Brüggemann, Jacob Matschenz, Leslie Malton, Franziska Weisz, Robert Gwisdek, Jörg Bundschuh

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