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BLAUBEERBLAU auf weißer Leinwand

Der Eröffnungsfilm des 8. Festivals des deutschen Films in Ludwigshafen

BLAUBEERBLAU | Devid Striesow, Stipe Erceg | Regie: Rainer Kaufmann | D 2012

Leuchtend rot ist sie, die neue Preisskulptur des Festivals des deutschen Films. Blaubeerblau wird am 14. Juni 2012 der Wettbewerb um den mit 50.000 Euro dotierten Filmkunstpreis eröffnet. Die unkonventionelle Komödie von Rainer Kaufmann bildet den Auftakt der insgesamt 42 Filme, die auf der Parkinsel Ludwigshafen zu sehen sein werden. Und obwohl der Eröffnungsfilm für das Fernsehen produziert wurde, muss er sich keineswegs verstecken vor den 11 anderen Wettbewerbsbeiträgen – unter denen sich auch noch zwei weitere TV-Produktionen finden. Wenn es nach Festivaldirektor Dr. Michael Kötz ginge, wäre die Unterscheidung zwischen Kino-und TV-Film gänzlich überflüssig, denn letztendlich „geht es darum, dass die Filme gut sind“. Und da es in den nächsten 11 Tagen – zumindest in den Kino-Zelten – nach dem Festival-Leiter geht, wollen wir es jetzt auch mal gut sein lassen und uns auf die Filme selbst konzentrieren:

Blaubeerblau ist großartig besetzt mit Devid Striesow in der Hauptrolle. So verdruckst wie er spricht, so wenig emanzipiert hat sich Fritjof (Devid Striesow) bisher in seinem Leben. Gerne kratzt er die Kürbiskerne vom Brötchen, um Vögel zu füttern, sein Umgang mit Menschen dagegen ist eher linkisch. Als der Angestellte eines Architekturbüros die Räumlichkeiten eines Sterbehospizes ausmessen soll, trifft er dort auf einen alten Klassenkameraden. Hannes (Stipe Erceg), der für ihn früher nur Verachtung übrig hatte, erduldet sein Krebsleiden im Endstadium und versprüht eine gehörige Portion Zynismus, die aber an Fritjofs Stoizismus einfach verpufft.

Die Geschichte einer freundschaftlichen Annäherung im Angesicht des Todes, die der Film nun erzählt, könnte leicht gefühlig bis kitschig werden – zumal sie für den einen ein erträglicheres Ende und für den anderen einen kompletten Neuanfang bereithält – wird sie aber an keiner Stelle. Durch seine lakonischen Dialoge und mit schrägem Charme, wie man ihn sonst eher aus dem skandinavischen Kino kennt, schafft es Blaubeerblau bis zum Ende zu unterhalten – und auch ein wenig zu rühren. Nach der Filmvorführung werden sich sicher einige Zuschauer verstohlen ein paar Tränen aus den Augenwinkeln wischen, bevor sie sich zur Eröffnungsparty ins Besucherzelt wagen. Hier könnte man ja noch mal Devid Striesow, Rainer Kaufmann oder dem Produzenten Uwe Urbas begegnen, denn sie werden zum Auftakt auf der Parkinsel zu Gast sein.

Während des Festivals werden noch einige prominente Schauspieler in Person unter den Platanen wandeln: Am 15.06. Christian Redl, am 16.06. Jasna Fritzi Bauer, am 17.06. erhält Sandra Hüller den „Preis für Schauspielkunst“, am 18.06. kommt Hannelore Hoger, am 20.06. wird Otto Sander den „Preis für Schauspielkunst“ in Empfang nehmen, am 21.06. wird Lars Eidinger erwartet – wie die Gästeliste verrät.

Kirsten Kieninger, RNZ, 13.06.2012

 

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