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ROMAN POLANSKI: A FILM MEMOIR

Ein Gespräch über ein filmreifes Leben

„Ich wäre lieber für meine Arbeit bekannt, als für mein Privatleben.“

(Roman Polanski)

Es ist wie verhext: Er hat über ein Dutzend erfolgreiche Kino-Filme gemacht. Für Der Pianist hat er 2002 die Goldene Palme und den Oscar für die Beste Regie gewonnen. Doch als er diesen Satz ausspricht, steht wieder einmal die Privatperson und nicht der Regisseur Roman Polanski in den Schlagzeilen. Wie schon so oft in seinem Leben.

In Laurent Bouzereaus Dokumentarfilm Roman Polanski: A Film Memoir erzählt der vom Schicksal gebeutelte Regisseur seine bewegte Lebensgeschichte. Sein Gegenüber ist sein langjähriger Freund Andrew Braunsberg, der ihn in seinem Haus in Gstaad besucht. Die Atmosphäre des intimen Gesprächs wirkt entspannt – trotz der widrigen Umstände, denn Polanski steht 2009 monatelang unter Hausarrest. Auf dem Weg zum Zürcher Filmfestival hat ihn seine Vergangenheit eingeholt: Aufgrund eines US-amerikanischen Haftbefehls von 1977 wurde er festgenommen und zunächst inhaftiert.

Auch diese Wochen im Hochsicherheitsgefängnis sind Thema der 90 Filmminuten, in denen Polanski die prägendsten Stationen seiner bald 80 Lebensjahre Revue passieren lässt: die Kindheit im Krakauer Ghetto, der Weg ins Filmgeschäft in Polen, seine Zeit in Paris, seine internationale Karriere mit Filmen wie Rosemary’s Baby, Chinatown oder Frantic. Offenherzig und emotional berichtet er von privaten Katastrophen: die schreckliche Ermordung seiner schwangeren Frau Sharon Tate 1969, der kontroverse Prozess wegen Sex mit einer Minderjährigen 1977 und seine „Flucht“ aus den USA.

Polanskis Erzählungen sind lebendig und bewegend. Der zusätzlichen Emotionalisierung durch Zeitlupen-Momente und viel Musik hätte es gar nicht bedurft in dieser äußerst interessanten (Film-)Geschichte, vermittelt aus erster Hand und ergänzt durch zeitgeschichtliches Archivmaterial, private Fotos und ausgewählte Filmausschnitte. Der Mensch Polanski entpuppt sich dabei als sympathischer, abgeklärter Optimist, der nicht mit dem Schicksal hadert. „Wenn eine Filmdose auf mein Grab gelegt werden sollte, dann Der Pianist“ – der Film, in den die traumatischen Ghetto-Erfahrungen seiner Kindheit einflossen.

(Kirsten Kieninger, in anderer Form erschienen in der RNZ vom 23.08.2012)

Filmdaten:

Titel: Roman Polanski: A Film Memoir
Produktionsland: Deutschland, Italien, Großbritannien
Produktionsjahr: 2011
Länge: 93 Min.
Verleih: Eclipse Filmverleih
Kinostart: 23.08.2012
Regie: Laurent Bouzereau
Kamera: Pawel Edelman
Schnitt: Jeff Pickett
Musik: Alexandre Desplat

 

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