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BREATHING EARTH

Susumu Shingus Traum

 

„Der Wind ist das Absolute!“, davon ist Susumu Shingu überzeugt. Der japanische Künstler hat sich den Kräften der Natur verschrieben. Seine Skulpturen werden von Wind und Wasser angetrieben. „Ich übersetze die Botschaft der Natur in Bewegung“, sagt Shingu. Nun ist er auf der Suche nach einem Ort, an dem er seinen großen Traum verwirklichen kann: Eine Begegnungsstätte für Künstler, Forscher und Publikum, wobei die benötigte Energie durch Windmühl-Skulpturen gewonnen werden soll.

Auf der Suche nach einem geeigneten Platz für seine Vision reist der Künstler mit seiner Frau um die Welt. Filmemacher Thomas Riedelsheimer begleitet die beiden nach Italien und Schottland, in die Türkei und ins Ruhrgebiet. Sie besichtigen abgelegene Orte, führen Gespräche mit potentiellen Sponsoren. Der Künstler trifft auf Bürokraten, die Überzeugungsarbeit für seine Windräder bekommt Züge von Don Quixotes Kampf gegen Windmühlen. Doch Shingu glaubt an seine Vision, auch wenn sogar Renzo Piano ihn freundschaftlich als „Kind von 7×10 Jahren“ bezeichnet und ihm beim Anblick der Architektur-Modelle entfährt: „Er ist verrückt!“

Thomas Riedelsheimer nimmt sich Zeit für seinen sympathisch bescheidenen Protagonisten und seine Philosophie. Schon mit Filmen wie Rivers and Tides über den Land Art– Künstler Andy Goldsworthy und Touch the Sound über die taube Percussionistin Evelyn Glennie hat der Regisseur preisgekrönte Filme über Künstler gemacht, die in einen besonderen Kontakt mit der Umwelt treten. Auch Breathing Earth – Susumu Shingus Traum ist ein sensibles und kongeniales Künstler-Porträt. Riedelsheimer findet außergewöhnliche Bilder, die die Schönheit von Windbewegung einfangen, auf Wasseroberflächen, in Bäumen, in überraschenden Details, analog zu den Skulpturen Shingus. Allerdings dauert es ein wenig, bis der Film seinen Zauber entfaltet und den Zuschauer mithilfe der grandiosen Bilder und meditativen Musik (Stephan Micus) davonträgt, bis der zurückhaltende Künstler und seine Frau (wie ein japanischer Christo mit seiner Jean-Claude) die Sympathie des Zuschauers erobern und sich die Faszination und Weisheit seiner Kunst überträgt. Ein handwerklich herausragender Dokumentarfilm, dessen Bilder wirklich für das Kino gemacht sind.

 

 [Kirsten Kieninger]

Filmdaten:

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2012
Länge: 93 Min.
Verleih: Piffl Medien
Kinostart: 27.12.2012
Regie: Thomas Riedelsheimer
Kamera: Thomas Riedelsheimer
Montage: Thomas Riedelsheimer
Musik: Stephan Micus

DVD-Daten:

Bildformat: 16:9
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch, Japanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Zusätzliche Szenen, Booklet, Trailer
Label: Piffl/good!movies
FSK: ohne Altersbeschränkung

 

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