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Das Spiel mit Traum und Wirklichkeit (14)

in Alejandro Amenábars Film ABRE LOS OJOS

Alejandro Amenábar | ABRE LOS OJOS | Spanien 1997

¡Abre los ojos!: Der Film fängt an, doch wo beginnt der Traum ?

„Ich will eine Atmosphäre von Unsicherheit schaffen. Der Zuschauer stellt sich die Frage: ’Was passiert hier?’ Und die Bilder antworten: ‘Wir wissen es nicht’.“ ((

Alejandro Amenábar über seinen Film The Others im Spiegel-Interview mit BEIER Lars-Olaf (2002): „Aus den Augen, in den Sinn“. Der Spiegel Nr. 2/2002, S. 167 f. ))

Alejandro Amenábar und die Thematik seiner Filme

Alejandro Amenábar wird 1972 in Santiago de Chile geboren. Nach eineinhalb Jahren zieht seine Familie nach Madrid. Dort beginnt Amenábar 1990 sein Studium Imagem y Sonida an der Universidad Complutense de Madrid. Gleich seine ersten kurzen Video-Filme, bei denen er meist nicht nur selbst mitspielt, sondern auch noch in Personalunion Regie, Drehbuch, Schnitt, Musik und Produktionsleitung erledigt, erhalten mehrere Auszeichnungen. 1995 entsteht eine Kinoversion seines dritten Video-Kurzfilms Luna. Seinen ersten Lang-Spielfilm realisiert Amenábar 1996 mit Tesis. Das Drehbuch dazu erarbeitet er zusammen mit José Luis Cuerda, die Filmmusik komponiert er selbst. Tesis wird in Spanien mit sieben Goyas ausgezeichnet. Amenabár komponiert auch die Musik zu La Lengua de las Mariposas von José Luis Cuerda und Nadi conoce a Nadie von Mateo Gill.

1997 realisiert Amenábar Abre los ojos. Der Film läuft 1998 im Panorama der Berlinale, im selben Jahr weist der Regisseur Cameron Crowe den Star seines Films Jerry McGuire auf den Film hin, der ihn sehr beeindruckt. Tom Cruise erwirbt daraufhin die Filmrechte für ein Remake. So entsteht 2001 unter der Regie von Cameron Crowe Vanilla Sky als Starvehikel für Tom Cruise, in dem er sich selbst in der Hauptrolle produziert. (( Ausführlich zum Phänomen Vanilla Sky siehe Teil (23) Nachspiel: Cameron Crowes Remake Vanilla Sky ))

Amenábar äußert sich über diesen Deal sehr diplomatisch: Er fühle sich sehr geehrt, dass Cameron Crowe Abre los ojos adaptiert hat.

„Me siento muy honorado de que haya adaptado Abre los ojos.“ (( Alejandro Amenábar im Interview mit PARRADO Julio A. (2001): „Nicole Kidman cambia el destino de la pélicula“. El Mundo Nr. 4.257 v. 27.07.2001 ))

2001 realisiert er in Hollywood seinen dritten Spielfilm The Others, produziert von Tom Cruise und mit dessen Ex-Frau Nicole Kidman in der Hauptrolle. Ein Projekt, dass ohne das Hollywood Remake von Abre los ojos wohl nie entstanden wäre und das in den USA ein grosser Erfolg ist.

Ein thematisches Grundthema aller seiner drei Langspielfilme ist der Schein und die Schwierigkeit, sich der Wirklichkeit zu stellen. Tesis, Abre los ojos und The Others hinterfragen jeder auf seine Art, ob das, was die Protagonisten als Realität wahrnehmen (wollen), wirklich so ist.

Tesis schafft dieses Gefühl der Unsicherheit auf der Basis eines psychologischen Thrillers: Eine Studentin stösst während der Recherche für ihre Magisterarbeit über Gewalt in den Medien darauf, dass an ihrer Hochschule sogenannte Snuff-Videos gedreht werden. Bald weiss sie nicht mehr, wem sie wirklich trauen kann: ihrem neuen Professor, dem eigensinnigen Horror- und Gewalt-Video Freak, oder dem geheimnisvollen Schönling mit der Videokamera…

Auch Abre los ojos verunsichert mit den Mitteln eines psychologischen Thrillers. Die Schock-effekte hier beruhen auf zunehmenden Wahrnehmungs-Verschiebungen des Protagonisten. Hier wird dem Protagonisten die Suche nach der Wahrheit nicht unbedingt durch kriminelle Machenschaften schwergemacht. Stattdessen tut er sich immer schwerer damit, Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden, und sein ganzes Leben scheint Brüche zu bekommen…

In The Others, der im Gewand eines Gothic Thriller daherkommt, gibt es erst kurz vor Film-ende einen einzigen, aber entscheidenden Bruch. Eine Mutter lebt kurz nach Ende des 2. Weltkrieges mit ihren beiden extrem lichtempfindlichen Kindern in einem dunklen Schloss ein Leben hinter zugezogenen Vorhängen. Der Ehemann ist im Krieg gefallen und die Hausherrin stellt zur Unterstützung eine neue Dienerschaft ein, nachdem die alte spurlos verschwunden ist. Der kleine Junge nimmt als erster wahr, dass noch jemand in dem Haus herumzuspuken scheint und auch die Dienerschaft scheint mehr zu wissen: Die „Anderen“, das sind die Toten und ihre Welt. Es geht um den siebten Sinn der Wahrnehmung zwischen dem Hier und dem Jenseits. Und der Zuschauer muss mit der Protagonistin kurz vor Ende des Films plötzlich feststellen, dass er sich die ganze Zeit auf der anderen Seite befunden hat. Wie bei einem Vexierbild verdreht sich an dieser Gelenkstelle plötzlich der Bezugspunkt und damit die Wahrnehmung der Realität…

Die Publikation des gesamten Textes gibt es hier zum PDF Download >

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