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HOLDING POSITIONS beim 68. IFFMH

Die Heidelbergerin Laura Mahlberg ist mit ihrem Film „Holding Positions“ im Wettbewerb des 68. Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg vertreten

„Das müsste jetzt eigentlich voller sein, finde ich!“. Festivaldirektor Michael Kötz steht am Dienstagabend auf der Bühne des zu zweidrittel gefüllten Kinosaals 2 im Mannheimer Stadthaus und lässt es sich nicht nehmen, eine ganz besondere Weltpremiere anzukündigen. Einen Film, dessen Rohfassung ihm schon so gut gefallen habe, dass er die Fertigstellung in der Postproduktion finanziell unterstützte – und den Film in den Wettbewerb des internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg eingeladen hat. Jetzt steht fast das gesamte Filmteam von „Holding Positions“ mit ihm auf und neben der kleinen Bühne. Der englische Titel täuscht über den Lokalbezug hinweg: Holding Positions ist der erste Langfilm der 1988 in Heidelberg geborenen Regisseurin Laura Mahlberg. Als Schauspieler mit dabei sind gleich drei Ensemblemitglieder vom Theater Heidelberg: Hendrik Richter, Steffen Gangloff und Fabian Oehl.

Laura Mahlberg hat im Ländle Film studiert. Aber nicht – wie man vermuten könnte – an der Filmakademie in Ludwigsburg, sondern an der Merz Akademie in Stuttgart. Die staatlich anerkannte Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien bietet den Studiengang „Film und Video“ an. Hier hat Laura Mahlberg zunächst 2012 ihren Bachelor gemacht. Ihren Abschluss-Kurzfilm hat sie bei der Berlinale eingereicht, mit Erfolg: 2013 lief Kalifornia in der Sektion Perspektive Deutsches Kino. Laut damaliger Pressemitteilung der Berlinale verweist der Film „auf eine sehr eigene filmische Handschrift, die Vorfreude auf den ersten langen Film der Studentin weckt“.

Jetzt ist dieser erste lange Film da. Und kommt beim Publikum gut an, wie sich beim Q&A nach der Mannheimer Premierenvorstellung zeigt: „Ich finde den Film klasse!“ und „Danke für den unterhaltsamen Film!“ sind als erste Reaktionen zu hören. Gut gefallen hat auch die „Verzahnung von Vertrautem und Fremden“, die der Film an seinem Schauplatz, dem Frankfurter Flughafen, in seiner Mischung aus gespielten Szenen und dokumentarisch Gedrehtem bietet. Holding Positions verknüpft spielerisch vier Episoden von Menschen, die Zeit am Flughafen verbringen, warten, beobachten, beobachtet werden, sich streiten, sich treffen, sich auf Abenteuer einlassen. In kunstvoll fotografischen, schwarz-weiß gehaltenen Einstellungen (Kamera: David Münch) wird der eigentlich allzubekannte Nicht-Ort des Flughafens zu einem visuell ganz neu erscheinendem Schauplatz. Die inszenierten Szenen sind humorvolle Miniaturen, in denen ein Schauspieler auch durchaus drei Mal mit sich selbst interagieren kann (Anton Wenzel nicht nur als finnischer Kleinkrimineller). In der Montage (Elias Engelhardt), die die einzelnen Episoden und das dokumentarische Material gelungen verschränkt, heben sich immer dann farbige Einstellungen heraus, wenn die Protagonisten mit ihrer Umgebung in besonderen Kontakt treten, sei es durch die Linse ihres Fotoapparates, sei es durch ihre Tagträumereien. Auch die entspannte Filmmusik (Hannes Bieber) trägt mit dazu bei, dass Holding Positions zu einem ästhetisch hochstilisierten und zugleich locker swingendem Sehvergnügen wird.

„Ich habe vorher nur Spielfilm gemacht, das war das erste Projekt, wo sich da die Grenzen etwas verschoben haben“, sagt die Regisseurin, „zunehmend geht es bei mir mehr um Schnittstellen zwischen unterschiedlichen medialen Formen“. Holding Positions ist dabei so etwas, wie das Initiationsprojekt. Sie hat den Film aus dem Master-Studium an der Merz Akademie heraus entwickelt. „Eine Episode davon, nämlich die mit dem Chinesischen Pärchen, das war mein Abschlussfilm. Wir haben alles andere auch schon gedreht und dann noch mal Postproduktionsförderung beantragt und daraus dann einen langen Spielfilm gemacht.“

Mit dem ehemaligen studentischen Filmteam dieses Langzeit-Projekts verbindet sie heute nicht nur der fertige Film. 2017 gründete sie mit Bildgestalter David Münch, Produzentin Alexandra Rilli und Vincent von Tiedemann in Stuttgart die Film- und Werbefilmproduktion Third Picture – noch aus dem Studium heraus: „Wir haben uns da als Freunde relativ schnell gefunden, haben gesagt, wir wollen zusammen Projekte machen und haben eine relativ ähnliche Vorstellung von Film.“ Im Oktober zählten sie beim Ideenstark-Wettbewerb der MFG Baden-Württemberg mit ihrer Firma zu den Gewinnern. Auf neue Projekte dieses Zusammenschlusses junger Filmschaffender darf man also auf jeden Fall auch weiterhin gespannt sein.

[Kirsten Kieninger – als Print-Artikel erschienen in der RNZ vom 21.11.2019]

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