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KREUZWEG

Die 14 Stationen des modernen Mädchens Maria – in angemessener Strenge verfilmt

 

Plansequenzen haben es Dietrich Brüggemann angetan. Schon in seinem Diplomfilm 9 Szenen, mit dem er an der HFF in Potsdam sein Regie-Studium abschloss, war der Titel Programm: der 105-minütige Film bestand aus neun langen Szenen, die jeweils ohne Schnitt auskommen. Schon mit diesem Film war er 2006 auf der Berlinale zu Gast. Mit seinem mittlerweile vierten abendfüllenden Spielfilm (nach Renn, wenn du kannst und 3 Zimmer/Küche/Bad) war Brüggemann nun dort im Wettbewerb vertreten – und gewann zusammen mit seiner Schwester Anna den Silbernen Bären für das Beste Drehbuch.

Auch Kreuzweg setzt auf Plansequenzen, vierzehn an der Zahl, genau so viele, wie es im Leidensweg Christi Stationen gibt. Die Geschwister Brüggemann schicken ihre Hauptfigur Maria – ein 14-jähriges Mädchen, das in einem streng katholischen Elternhaus aufwächst – auf einen ebensolchen Leidensweg. Die Mutter ist sektiererisch unterwegs und Maria kann ihr kaum etwas recht machen. Obwohl auch sie ihren Glauben ernst nimmt und versucht, ihr Leben nach den Grundsätzen auszurichten, die der Pfarrer im Firmungs-Unterricht und die Mutter zu Hause predigen. Dabei zerreibt sich das ernsthafte Mädchen zusehends zwischen diesen rigiden Regeln und der offenen Weltsicht ihrer Mitschüler. Maria gerät immer mehr an ihre Grenzen. In ihrer Verzweiflung will sie ihr Leben schließlich ganz Jesus widmen. Sie trifft eine folgenschwere Entscheidung.

Kreuzweg besticht durch formale Strenge: die festen Einstellungen lassen nur dann und wann gezielte Kamerabewegung zu, wenn dies inhaltlich motiviert ist. Das künstlerische Konzept, das sich der Regisseur hier auferlegt hat, ist eng gekoppelt an Thema und Aussage des Films – und geht letztendlich auf. Was anfangs noch als statisch und artifiziell irritieren mag, entwickelt im Verlauf der Geschichte einen beklemmenden Sog, der den seelischen Druck, dem Maria ausgesetzt ist, kongenial transportiert. Ein Film, der auch für den Zuschauer kein leichter Weg ist – der aber ob seiner künstlerischen Konsequenz (und auch seines überraschenden, ambivalenten Endes) den Gang ins Kino lohnt.

[Kirsten Kieninger – erschienen in der RNZ vom 20.03.2014]

Filmdaten:

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2014
Länge: 107 Min.
Verleih: Camino Filmverleih
Kinostart: 20.03.2014
Regie: Dietrich Brüggemann
Drehbuch: Anna Brüggemann, Dietrich Brüggemann
Kamera: Alexander Sass
Montage: Vincent Assmann
Hauptdarsteller: Lea van Acken, Florian Stetter, Birge Schade, Hanns Zischler, Franziska Weisz, Ramin Yazdani, Lucie Aron, Klaus Michael Kamp, Moritz Knapp, Georg Wesch

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