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JACK

Auf der Suche nach der Mutter trägt der kleine Hauptdarsteller den Film ganz allein

 

Die Kamera folgt Jack auf Augenhöhe. Auf sich alleine gestellt bewegt er sich durch Berlin, an seiner Seite ein kleiner Junge. Jack selbst ist nicht viel größer, er ist zehn. Ein Kind, das Verantwortung für seinen kleinen Bruder Manuel übernimmt. Die Mutter ist jung, alleinerziehend und hat ihr Leben zwischen Freunden und Nachtleben, Absturz und Arbeit nicht im Griff. Jack kümmert sich vorbildlich um Manuel. Doch eines Tages passiert ein Unfall und Jack wird ins Heim gesteckt. Er reißt aus, will zurück nach Hause. Doch die Wohnung ist verschlossen, die Mutter taucht tagelang nicht auf.

Der deutsche Spielfilm Jack lief im Wettbewerb der Berlinale und überzeugte dort vor allem durch seinen Hauptdarsteller Ivo Pietzcker. Der Junge, der zuvor noch nie vor einer Kamera stand, trägt den Film mit großer Intensität. Er ist in jeder Szene präsent, durch seine Augen erlebt der Zuschauer die Geschichte, in seinem Gesicht spiegelt sich das Erlebte. Ein Casting-Glücksgriff, durch den der dramaturgische und visuelle Ansatz von Edward Berger und Nele Mueller-Stöfen aufgeht: In minutenlangen Plansequenzen ohne Schnitt folgt die Kamera Jack durch die Stadt.

Lakonisch und sensibel erzählt Jack die Odyssee zweier kleiner Jungen auf der Suche nach der Mutter, auf der Flucht vor der Polizei. Ohne Geld oder Essen, ohne Anlaufstelle unterwegs in einer Großstadt, in der sich niemand über zwei kleine Jungen zu wundern scheint, die nachts ohne Begleitung unterwegs sind. Sie streifen durch Einkaufszentren und Clubs, sie schlafen im Parkhaus.

Die Reaktionen der Erwachsenenwelt, auf die Jack und sein Bruder treffen, mögen nicht in jeder Szene stimmig sein, manches ein wenig blutleer konstruiert wirken, die erwachsenen Figuren keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Doch der Film trägt nicht umsonst den Titel „Jack“. Und der Junge in der roten Jacke gräbt sich eindrucksvoll ins Gedächtnis ein.

[Kirsten Kieninger]

> Interview mit Regisseur Edward Berger >

Filmdaten:

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2014
Länge: 103 Min.
Verleih: Camino Filmverleih
Kinostart: 9.10.2014
Regie: Erdward Berger
Drehbuch: Nele Mueller-Stöven, Edward Berger
Kamera: Jens Harant
Montage: Janina Herhofer
Musik: Christoph Kaiser, Julian Maas
Hauptdarsteller: Ivo Pietzcker, Jacob Matschenz, Nele Mueller-Stöfen, Luise Heyer, Vincent Redetzki,  Georg Arms, Antony Arnolds, Johann Jürgens, Odine Johne

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