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GLORIA

Eine großartige Frau in einem großartigen Film

 

Ende 50, geschieden, Kinder aus dem Haus. Zeit für ein neues, selbstbestimmtes Leben. Gloria (Paulina García) führt es schon. Tagsüber geht sie arbeiten, abends geht sie aus. Im Auto singt sie lauthals Liebes-Schlager mit, auf Single-Parties wandern ihre Augen über die Tanzfläche, auf der Suche nach ein wenig Glück. Mit ihrer riesigen Brille wirkt sie streng, es dauert ein wenig, bis der Funke überspringt – zunächst zu Rodolfo (Sergio Hernández), dann zum Zuschauer. Doch man muss sich einfach verlieben in diese wunderbare Protagonistin mit Ecken und schrägen Kanten, mit Energie und Humor in Sebastián Lelios Gloria.

Der Titel des chilenischen Spielfilms ist Programm: „Gloria“ dreht sich um Gloria. Hauptdarstellerin Paulina García brilliert in jeder Szene des Films, der bei der diesjährigen Berlinale der Publikums- und Kritiker-Liebling war und mit einem Silbernen Bären als Beste Darstellerin belohnt wurde.

Gloria ist eine unabhängige Frau, die zwar vom späten Glück zu Zweit träumt, dabei aber keine Kompromisse mehr eingehen will. Sie stürzt sich in eine Beziehung mit dem etwas älteren, charmanten Rodolfo, doch dieser kann (oder will) sich nicht ganz auf sie einlassen. Seine Ex-Frau und erwachsenen Töchter sind ihm immer wieder Grund genug, Gloria einfach hängen zu lassen. Gloria ist irritiert, verletzt und wütend, gibt ihm noch eine zweite Chance – und zieht dann auf herzerfrischende Art und Weise knallhart die Konsequenzen. Eine bewundernswerte Frau, die gelernt hat zu wissen, was sie will. Am Ende des Films betritt Gloria wieder die Tanzfläche, aber diesmal ist sie ganz bei sich angekommen.

Gloria ist auf den Punkt inszeniert und gespielt, ganze Lebenswelten werden nebenbei angerissen, das heutige Chile mitsamt seiner Vergangenheit bildet den gesellschaftlichen Rahmen für Glorias Geschichte. Eine Vielzahl gut beobachteter Details tragen zum wahrhaftigen Charme dieses Spielfilms bei. Gloria ist sensibel, unterhaltsam, respektvoll, humorvoll und voll positiver Energie, in einem Wort: großartig.

 

[Kirsten Kieninger, erschienen in der RNZ am 08.08.2013]

Filmdaten:

Produktionsland: Spanien, Chile
Produktionsjahr: 2012
Länge: 105 Min.
Verleih: Alamode Filmverleih
Kinostart: 08.08.2013
Regie: Sebastián Lelio
Drehbuch: Gonzalo Maza, Sebastián Lelio
Kamera: Benjamín Echazaretta
Montage: Soledad Salfate, Sebastían Lelio
Hauptdarsteller: Coca Guazzini, Alejandro Goic, Sergio Hernández, Paulina García, Diego Fontecilla, Fabiola Zamora, Hugo Moraga

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