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Bild aus Der Dialog / The Conversation von Francis Ford Coppola; Copyright: Arthaus

DER TON MACHT DAS BILD

über die unsichtbare Macht der Filmtonspur

 

Diese Woche schon einen richtig guten Film gehört? Genau: gehört. Denn bei Film zuerst immer nur an Bilder zu denken, ist etwas kurzsichtig. Ein guter Teil der Filmwahrnehmung läuft schließlich übers Ohr. „Sound is half the experience„, davon ist George Lucas überzeugt – nicht nur wegen der Star Wars-Laserschwerter, die ohne den spezifischen Sound doch nur bessere Neon-Knick-Leuchtsticks zum Rumfuchteln wären. Sein Statement trifft nicht nur auf klassische Science-Fiction-Epen mit bis dato ungeahnten Klängen zu, sondern auf Film als Medium an sich. Ich muss hier also gar nicht unbedingt die Weiten des Weltraums bemühen, um eine Lanze für den Ton zu brechen.

Der Urwald tut es auch. Sehr eindrucksvoll sogar, vor einiger Zeit im Kino zu hören und sehen in Der Schamane und die Schlange. Ein grandioser Film, bei dem Filmkritikerinnen ins schwärmen geraten über die wunderbaren Bilder von der triefenden Schönheit des Waldes“. Allerdings verliert niemand einen Ton über das Breitwand-Prasseln des Tropenregens, das rauschhafte Gurgeln des Flusses oder das mächtige, vielstimmige Orchester der Vogelstimmen, die diese Bilder beleben. Ohne Tonspur wirkt dieser Regenwald trotz brillanter schwarz-weiß Fotografie nur halb so magisch. Das habe ich – ohne Rücksichtnahme auf die etwas irritierten Sitznachbarn im Kino getestet: Einfach mal kurz die Finger in die Ohren gesteckt. Die Bilder sind so zugegebenermaßen immer noch sehr schön, aber der Blick darauf wird abrupt distanzierter. Schließt man dagegen mal kurz die Augen, dann bleibt der Eindruck, sich inmitten des Regenwaldes zu befinden, bestehen. Und doch: „bildgewaltig“ ist das Wort, das in Kritiken Filmen wie diesem unisono zugeschrieben wird, der Soundtrack wird dabei in der Regel völlig übersehen – oder besser: überhört.

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