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INTERVIEW: Otto Sander

152 Filme und ein Preis für Schauspielkunst

BIS ZUM HORIZONT, DANN LINKS | D 2012 | Otto Sander während einer Drehpause

Am 20. Juni 2012 wurde er beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen mit dem „Preis für Schauspielkunst“ geehrt. Sein neuer Film Bis zum Horizont, dann links läuft ab dem 12. Juli im Kino. Er hat in weit über 100 Filmen mitgespielt, sein Engel in Wim Wenders Der Himmel über Berlin ist Kino-Legende. Seit den 60er Jahren ist Otto Sander präsent auf Theaterbühnen, in Film und Fernsehen. Seine sonore Stimme ist sein Markenzeichen und überzeugt auf unzähligen Hörbücher.

Herr Sander, Sie können bald auf ein halbes Jahrhundert Karriere zurückblicken…

Ja, fast. 46 Jahre.

Sie sind schon mit einigen Preisen geehrt worden und jetzt kommt der „Preis für Schauspielkunst 2012“ beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen dazu. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Da freue ich mich. Denn sonst gibt es ja immer Preise fürs Lebenswerk – und ich mache ja noch weiter. Einen „Preis für Schauspielkunst“ habe ich noch nicht gekriegt, höchstens für eine Rolle oder ein Stück, aber nicht für die Schauspielkunst an sich. Und das ist für mich eine große Ehre.

Können Sie sich gut anhören, wenn über Sie feierlich geredet wird, eine Laudatio gehalten wird? Oder haben Sie da Angst vor Rührung?

Nein, eigentlich nicht. Ein bisschen aufgeregt ist man, hat ein wenig Lampenfieber. Aber Jean Gabin hat ja schon gesagt: „Nur ein schlechter Schauspieler hat kein Lampenfieber“.

Können Sie in der Rückschau auf den Verlauf ihrer Karriere so etwas wie eine wichtigste Station ausmachen?

Jawohl: die Schaubühne am Halleschen Ufer unter Peter Stein in Berlin. Das war nun wirklich eine durchschlagende Epoche. Der Mief des Stadttheaters wurde raus gefegt und nach dem Muster von Stanislawski wurde eine neue Struktur des Theaters gegründet. Am 5. November ’70 war Premiere von „Die Mutter“ mit Therese Giese in der Hauptrolle. Wir haben uns verbeugt vor der alten Dame und in Verehrung diese Inszenierung gemacht. Wir haben nicht das Theater an sich in Frage gestellt, wir wollten es nur anders machen.

Haben Sie einen Überblick, in wie vielen Filmen Sie mitgespielt haben?

152. Das habe ich mal ausrechnen lassen. Alles mit gerechnet, selbst wenn ich nur einmal durchs Bild gegangen bin. Aber ich wollte eben wissen, wie es geht. Es war die Neugierde, die mich getrieben hat. Nicht die Karrieresucht, sondern die reine Neugierde, wie ein Kind.

Haben Sie sich die ganzen Filme angeguckt?

Man guckt ja immer, was man gemacht hat und sagt: das will ich anders machen, oder besser, oder.. Und dann wird immer gesagt: Nun ists zu spät. Hätteste doch gleich machen können. Und daraus habe ich viel gelernt.

Wie viele Hörbücher haben Sie bisher gemacht?

Oh Gott, das weiß ich nicht. Das habe ich nicht mitgezählt. Das letzte war „Der 100-Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Das ist auf der Bestsellerliste. Da habe ich zwar nichts davon, aber es hat mir Spaß gemacht.

Lesen Sie eigentlich auch zur Entspannung? Ohne berufliche Hintergedanken?

Ja. Das wird jetzt mehr, weil ich nicht mehr ganz so viel mache. Ich habe Stapelweise Bücher, die muss ich alle noch durchlesen: Literatur, die Russen, das muss ich alles noch lesen.

Was haben Sie denn gerade an Lektüre auf dem Nachttisch liegen?

„Meine Preise“ von Thomas Bernhardt und das Buch, das der Schauspieler Michael Caine veröffentlicht hat: „Weniger ist mehr“. Es geht um Schauspielerei beim Film. Das ist ein tolles Ding, das habe ich gerade angefangen. Sehr amüsant.

In Ihrem neuen Film „Bis zum Horizont, dann links“spielen Sie einen rüstigen Rentner, der aus dem Seniorenheim ausbüxt.

Ja, aber nur, weil er das tägliche Einerlei nicht ertragen kann auf die Dauer. Morgens um acht Wecken, dann Gymnastik, dann Frühstück und dann Unterwasser-Massage. Er versucht diese ganzen Regeln zu durchbrechen, indem er das Flugzeug, mit dem Sie einen Rundflug machen wollen, entführt. Und alle sind fröhlich. Mit tollen Kollegen: Herbert Feuerstein, Ralf Wolter, Angelica Domröse. Ein gutes Drehbuch und eine gute Mannschaft. Mit dem Regisseur Bernd Böhlich habe ich schon drei Filme gemacht: „Das tote Gleis“, „Dettmanns weite Welt“ und „Das Wunder von Wustermark“.

Das Thema Senioren im Altenheim, ist das etwas, worüber Sie sich auch Gedanken machen

Ja. Ich bin ja jetzt 70 und man macht sich da schon ein paar Gedanken. Aber ich will noch nicht ins Altenheim. Ich will noch immer auf der Bühne stehen, oder vor der Kamera.

Haben Sie schon Pläne für die nächste Zeit?

Ja, ich habe hier einige Drehbücher liegen. Ich habe schon zugesagt, aber noch keinen Vertrag unterschrieben. Und deswegen soll man nicht darüber reden, denn sonst kommt ein anderer Schauspieler und schnappt einem die Rolle weg – so hieß das früher.

Herr Sander, vielen Dank für das Gespräch!

 

Kirsten Kieninger, Telefoninterview vom 07.06.2012, erschienen in der RNZ vom 11.07.2012

 

 

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