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MARCELLO, MARCELLO

Zuckersüße, überraschungsarme Hommage an das italienische Kino der 50er

Marcello, Marcello

Denis Rabaglia | MARCELLO; MARCELLO | Deutschland, Schweiz 2008

Sommer1956 auf einer malerischen italienischen Insel. Hier existiert seit Generationen ein einzigartiger Brauch: Wenn ein Mädchen achtzehn wird, stehen die jungen Männer des Dorfes zu einer bestimmten Stunde Schlange, um Geschenke zu übergeben – dem Vater. Dieser bestimmt dann, wem die Gunst eines Rendevous gewährt wird, das meist der erste Schritt zur Ehe ist. Marcello (Francesco Mistichelli), ein Kind dieses Brauches, hält nicht viel von dieser Tradition. Als aber die schöne Elena (Elena Cucci) auf der Insel auftaucht, erwischt es Marcello bei ihrem Anblick so sehr, dass er einfach nicht anders kann, als auch mit einem Geschenk um sie zu werben. Nur was kann der Sohn des Fischers schon bieten, um die Tocher des Bürgermeisters für sich zu gewinnen? Den Hahn des Fleischers – denn dieser reißt den Bürgermeister jeden Morgen aus dem Schlaf. Doch der Fleischer will dafür zwei Flaschen Limoncello von den Schwestern. Die wiederum wollen endlich ihre nie gebrauchten Hochzeitskleider von der Schneiderin, und diese wiederum… So startet Marcello einen Tauschhandel quer über die Insel und entdeckt während seiner Odyssee wie viel Leid und Zwist der Brauch schon über die Dorfbewohner gebracht hat. Doch die Zeit drängt.

Marcello, Marcello des schweizer Regisseurs Denis Rabaglia ist eine nette Sommerkomödie, schön fotografiert und handwerklich auf konventionelle Art gut gedrechselt. Richtig gut unterhalten wird man sich allerdings nur fühlen, wenn man auf keine großen Überraschungen hofft, denn die Geschichte ist allzu konstruiert und nimmt (bis auf wenige Volten) ihren vorhersehbaren Lauf. Auch die Charaktere, die die fiktive Insel bevölkern, wirken wie liebenswerte Klischees in einer Kunstwelt, die so perfekt und spiegelglatt poliert ist, dass der Zuschauer nicht wirklich in sie eintauchen kann. Stattdessen wird das sommerlich-mediterrane Flair so reichlich in Pastelltöne und Orchesterklänge getaucht, dass es unter dem Zuckerguss der Nostalgie fast erstickt. Der Ausstrahlung von Francesco Mistichelli ist es zu verdanken, dass der Film wenigstens Augenblicke lang zu atmen beginnt.

© Kirsten Kieninger – zuerst erschienen in der RNZ vom 10.06.2010.
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Filmdaten:
Titel: Marcello Marcello
Produktionsland: Deutschland, Schweiz
Produktionsjahr: 2008
Länge: 97 Min.
Verleih: Senator Filmverleih
Kinostart: 10.06.2010
Regie: Denis Rabaglia
Drehbuch: Mark David Hatwood, Denis Rabaglia, Luca de Benedittis
Kamera: Filip Zumbrunn
Montage: Claudio Di Mauro
Musik: Henning Lohner
Hauptdarsteller: Francesco Mistichelli, Elena Cucci, Alfio Alessi, Luigi Petrazzuolo, Luca Sepe

1 thought on “MARCELLO, MARCELLO

  1. Obwohl man schon nach ersten Szenen ahnt, wie der Film ausgeht, lohnt es sich ihn anzuschauen. Diejenigen, die sich in die schönen sonnigen italienischen Landschaften versetzen wollen, solle sich diesen Film unbedingt anschauen. Das ist vor allem ein guter Tipp für Verliebte.

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