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ICH & ORSON WELLES

Talent, Genius & Kalkül: ein Film der genutzten Chancen

Richard Linklater | ME AND ORSON WELLES | Großbritannien 2008

Der Broadway im Jahr 1937: Der Ort und die Zeit sind ideal, um seine Chance zu ergreifen und ein Star zu werden. Im Theatre District von Manhattan sprießen die Bühnen aus dem Boden und hoffnungsvolle Talente tummeln sich. Träume, Begabung und Ehrgeiz bringen viele mit; Konkurrenz, Kalkül und harte Arbeit sind das geteilte täglich Brot auf dem Weg zum Ruhm. Einer ist in dieser Zeit schon unaufhaltsam auf dem Weg zum Star: Orson Welles. Gerade erst 22 geworden produziert er schon erfolgreich Hörspiele und Theaterstücke, hat das Mercury Theatre gegründet und ist mitten in der Probenarbeit zu Julius Cäsar,  mit dem er seinen großen Durchbruch feiern wird. Das ist der historisch dokumentierte Rahmen in den sich die Story des Spielfilms „Orson Welles & Ich“ nahtlos einfügt.

Der 17-jährigen Schüler Richard, der von einer Karriere als Schauspieler träumt, wird von Welles quasi im Vorbeigehen engagiert. Richard ergreift seine Chance und stürzt sich in die chaotische Probenarbeit. Dabei verliebt er sich in die Regieassistentin Sonja (Claire Danes). Doch auch diese hofft auf eine Chance für ihre Karriere und lässt sich deshalb mit dem verheirateten Orson ein. Diesem charismatischen, kreativen Despoten kann kaum einer widersprechen, die Angst vor seinem Fingerzeig zur Tür und damit ins Karriere-Aus regiert. Mit egomanischer Energie treibt er das Ensemble gleichermaßen zu Höchstleistungen wie zur Verzweiflung. Der idealistische Richard und der impulsive Orson sind ungleiche Kontrahenten und Orson wird nicht davor zurückschrecken, Richard kalkuliert auszuspielen. Doch dieser hat in dieser aufregendsten Woche seines Lebens in jedem Fall viel zu gewinnen.

Das echte Vorbild und sein filmisches Abbild – „Julius Cäsar“ 1937 im Mercury Theatre

Ich & Orson Welles nach dem gleichnamigen Roman von Robert Kaplow erzählt von sich bietenden Chancen und vom Erwachsenwerden. Eine solche Chance gibt Regisseur Richard Linklater auch seinem Haupdarsteller Zac Efron. In der Rolle des Richard gelingt es diesem eindrucksvoll, schauspielerisch über sein Disney-Darling Image hinauszuwachsen. Insgesamt hervorragend besetzt (allen voran Christian McKay mit seiner nuancenreichen Verkörperung des geltungsbedürftigen Genies Welles), hat Ich & Orson Welles mit seiner leichtfüßigen Umsetzung, guten Dialogen und stimmigem Setting alles, was ein hochwertiges Feelgood-Movie braucht. Also hat auch Linklater mit diesem Film seine Chance gekonnt genutzt, zur Abwechslung mal wieder einen kommerziellen Erfolg zu landen.

© Kirsten Kieninger – in anderer Form erschienen in der RNZ vom 26.08.2010

Filmdaten:

Titel: Ich & Orson Welles
Originaltitel: Me and Orson Welles
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2008
Länge: 114 min.
Verleih: Farbfilm Verleih
Kinostart: 26.08.2010
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Holly Gent Palmo, Robert Kaplow, Vincent Palmo Jr.
Kamera: Dick Pope
Montage: Sandra Adair
Musik: Michael J. McEvoy
Hauptdarsteller: Zac Efron, Christian McKay, Claire Danes, Ben Chaplin, Eddie Marsan, Zoe Kazan

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