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ARMADILLO

Dänische Jungs im Herzen der Finsternis

JANUS METZ | ARMADILLO | DÄNEMARK 2010

Auf dem 59. Internationalen Filmfest Mannheim-Heidelberg (11.-21.11.2010) wird Armadillo als „dokumentarischer Spielfilm“ vorgestellt und ist in einer Nebenreihe namens „Ganz schön wirklich“ versteckt. Dabei ist Armadillo sehr sehenswert, was auch seit seiner Premiere in Cannes mehrfach honoriert wurde. Schon in Cannes wurde er mit dem Großen Preis der Semaine de la critique ausgezeichnet (es ist das erste Mal, dass ein Dokumentarfilm diesen Preis erhält). Auf dem BFI London Film Festival gewann Armadillo gerade den renommierten Grierson Award für Dokumentarfilm. Jetzt ist er für den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Dokumentarfilm nominiert, der am 4. Dezember in Talinn vergeben wird.

Der Film begleitet junge dänische Soldaten bei ihrem 6-monatigem Einsatz in Afghanistan. Er tut dies in Bildern für die große Leinwand, mit einem Soundtrack und einer Dramaturgie, die ihm die Anmutung eines Spielfilms verleihen. Anklänge an Coppolas „Apokalypse Now“ sind gewollt, auch die dänischen Jungs befinden sich auf einer Reise zum „Herzen der Finsternis“. Die Kriegserlebnisse hinterlassen Spuren, nicht nur körperlich. Ein erschütterndes Ende findet ein unübersichtliches, blutiges Scharmützel mit vier Taliban-Kämpfern. Die Bilder des Kriegsgeschehens sind hier wackelig, teilweise durch kleine Kameras auf die Helmen der Soldaten eingefangen. Der Zuschauer findet sich unmittelbar in der Unübersichtlichkeit eines Geschehens, dass in Dänemark wegen des Verdachts auf ein Kriegsverbrechen für Debatten sorgte. Für die nach der Schießerei euphorisierten Soldaten vor Ort zählt jedoch zunächst nur, dass die Taliban tot sind. Die Mischung aus Angst und Adrenalin verändert die Jungs und das ist erschreckend mit anzuschauen.

Mein Text über den Film auf kino-zeit.de >

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