Mr. Motion Capture auf dem Planeten der Affen

Gollum, Gorilla, Schimpanse – die etwas andere Arbeit des Schauspieler Andy Serkis

bei der Arbeit an und auf der Leinwand in PLANET DER AFFEN: PREVOLUTION

„Mach mir den Affen!“ Nein, so simpel war die Regieanweisung an Andy Serkis bei den Dreharbeiten zu Planet der Affen: Prevolution gewiss nicht – im Gegenteil. Der filmtechnische Prozess, der den Schauspieler vor der Kamera zum Affen auf der Leinwand werden lässt, nennt sich Performance Capture und beinhaltet einiges, was der Ausübung von ernstzunehmender Schauspielkunst eher hinderlich erscheint: einen Ganzkörperanzug, an dem überall Detektoren zur Erfassung der Körperbewegungen befestigt sind, ein helmartiges Gestell mit integrierter Kamera zur Aufzeichnung der Mimik des Schauspielers, dessen Gesicht mit unzählige Markierungen übersät ist, damit seine Gesichtsausdrücke bis ins Detail digitalisiert werden können. Während er den Schimpansen spielte, sah Serkis daher ganz und gar nicht aus wie ein Affe, eher wie ein pickeliger Außerirdischer. Doch das ist nichts neues für den 47-jährigen Schauspieler, der in über 60 Filmen zu sehen war, aber am bekanntesten ist für die Rollen, in denen er computergenerierten Kreaturen außer seiner Mimik, Bewegungen und Stimme auch ein erstaunliches Stück Seele verleiht.

Serkis ist ein Veteran des Motion-Capture-Verfahrens, mit dem zunächst nur die Körperbewegungen aufgezeichnet wurden. Dem Gollum in der Herr der Ringe-Trilogie sollte er nur die Stimme leihen – eine Arbeit von drei Wochen. Doch als Regisseur Peter Jackson merkte, wie viel die Körpersprache des Schauspielers ausmachte, ließ er ihn am Set mit den anderen Schauspielern agieren, man wiederholte seine Szenen in kontrollierter Sudiosituation mit der Motion Capture-Technik und unternahm erste Ansätze zur Aufzeichnung der Mimik – eine Arbeit von vier Jahren. Zusammen mit den Computeranimatoren und Technikern von Weta Digital in Neuseeland hat Serkis seitdem das Verfahren immer weiterentwickelt.

Zur Vorbereitung seiner Rolle in Peter Jacksons King Kong hat der Brite in Ruanda wochenlang das Verhalten von Gorillas studiert, am Set verhalfen ihm ein Anzug mit Prothesen und eine Zahnschiene zu einer affenähnlichen Körperhaltung, ein spezielles Mikrofon verwandelte seine Stimme. In jeder Bewegung des Riesenaffen auf der Kinoleinwand, in jedem Stirnrunzeln und Blinzeln, in jedem Grunzer steckt vor aller Animation und digitaler Bildbearbeitung zuallererst die Schauspielkunst von Andy Serkis.

Nun ist in Planet der Affen: Prevolution außer Andy Serkis als Schimpanse auch ein technische Innovation zu bestaunen. Zum ersten Mal integrierte man beim Dreh das Performance Capture-Verfahren komplett in die realen Spielsequenzen. Die nächste Produktion, in der Serkis dann im Herbst in den Kino zu „sehen“ sein wird, ist dagegen ganz in kontrollierter Studio-Umgebung „gefilmt“ worden: im 3D-Animationsfilm Die Abenteuer von Tim und Struppi von Steven Spielberg ist er Kapitän Haddock. Der Film wurde von Peter Jackson produziert, für dessen Zweiteiler Der Hobbit Serkis zur Zeit wieder die Kreatur spielt, mit der alles begann: den Gollum. Die Kunst der Performance Capture lässt Andy Serkis nicht mehr los, inzwischen hat er in London seine eigene Produktionsfirma gegründet, die sich ganz auf diese Technik spezialisiert.

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